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Der Gordon Setter als Jagdhund

Der Gordon Setter ist sensibel und in seiner ganzen Art sehr fein, er ist empfindsam und feinfühlig, 
manchmal dickköpfig und stur, dabei  ausgesprochen intelligent.
Was bedeutet dies für den Ausbilder ?
Er hat einen Hund mit überdurchschnittlich feinen Sinnen, einen Hund mit besonders feiner Nase, 
mit besonders empfindsamem Gespür für seine Umwelt. Der Gordon kennt seine Menschen, weiß fast zu jeder 
Zeit was diese vorhaben, dieses gepaart mit seiner Intelligenz läßt ihn manchmal versuchen, auch seine Menschen 
auszutesten.
Der Gordon Setter sucht mit hoher Nase, das kann er sich durch seine Feinnasigkeit erlauben, er ist für die 
weiträumige Feldarbeit bestens geeignet, da er durch seine sensible Nase das Wild auch auf große Entfernung 
anzeigt. Auch auf der Schweißfährte wird der Gordon Setter teilweise mit hoher Nase arbeiten, und finden wird er 
immer. Unsere Annabell hat sich spezialisiert auf Nachsuchen ohne Anschuß, sie hält die Nase hoch in den Wind 
und sucht sich die Fährte selber.

Der Gordon Setter ist ein beliebter Jagdhund und als Jagdhundrasse bei der JGHV anerkannt. Hierfür gelten strenge Maßstäbe, die an die jagdliche Verwendbarkeit und Vielseitigkeit geknüpft sind. Als Vorstehhund kann er der Jägerin oder dem Jäger anzeigen, in welcher Richtung er Wild geortet hat. Dabei verharrt der Hund lautlos beim Entdecken des Wildes und hebt einen Vorderlauf.

Wie auch für jeden anderen Jadghund muss auch für den Gordon Setter der Nachweis einer Brauchbarkeitsprüfung erbracht werden. Prüfungsnachweise werden u.a. vor dem der JGHV angeschlossenen Zuchtvereine erbracht. Zu den Prüfungen der Zuchtvereine werden nur reinrassige Hunde mit Stammbaum-Nachweis zugelassen.

In den Anlagenprüfungen – der Jugendsuche (VJP) und der Herbstzuchtprüfung (HZP) – werden die natürlichen Anlagen des Hundes sowie der Zuchtwert der Elterntiere ermittelt. Die jagdlichen Grundeigenschaften des Junghundes sollen aufgrund behutsamer „Einarbeitung“ bereits entwickelt, durch den Einfluss des Hundeführers jedoch noch nicht überdeckt sein.

Neben der Verband-Gebrauchsprüfung (VGP) als „Meisterprüfung“ existiert noch eine Reihe von Sonderprüfungen für Spezialrassen oder besondere jagdliche Einsatzbereiche (z. B. die Verbandsschweißprüfung).

Erlebnis vom 19. Mai 2010

Dienstag Abend, 22.00Uhr, das Telefon klingelt, ein befreundeter Jäger meldet sich: "Ich habe einen Überläufer beschossen, der hat auch im Feuer gelegen, als ich nach 20 Minuten zum Stück laufe, steht es auf und flüchtet in den Wald seiner Rotte mit 2 Bachen und 17 Frischlingen hinterher, ist schon komisch, vielleicht ein Laufschuß ?
Können Eure Setter so was ????????"
Seit gestern 21.00Uhr regnet es in Strömen und das auch noch ohne Unterbrechung.
Heute früh 7.30 Uhr ist Bernd mit unseren vier Gordons im Revier des Freundes, eine Feuchtwiese am Waldrand in der sich nachts die Schweine tummeln, gleicht heute einem Sumpf. Mit dem Geländewagen muß er kunstvolle Umwege fahren, um in die Nähe des Anschusses zu gelangen, wie sich später herausgestellt hat, ist er hierbei über die Fluchtfährte des Überläufers gefahren. Welcher Hund darf es denn heute sein, Annabell hat die meiste Erfahrung in Nachsuchen, sie ist aber schon 11 ½ Jahre alt, was ist wenn ??? Gillian läuft prima auf Schweiß, sie hat aber noch überhaupt keine Erfahrung, außerdem ist sie tragend, heute ist der 40. Tag der Trächtigkeit, auch kein Risiko eingehen !!! Gräfin ist zu schnell auf der Fährte, mit ihr sollten wir vielleicht noch üben, also kommt ja nur noch Estrell in Frage, sie hat nach der Aufzuchtszeit ihrer drei Welpen bestimmt mal Lust, etwas anderes zu machen. Estrell hat außer ihrer Prüfung, wenig Nachsuchen gehabt, die schwierigen, ohne Anschuß oder mit zertrampeltem oder umgebrochenem Anschuß hat bisher immer Annabell gearbeitet aber Annabell braucht ja nun endlich einen würdigen Nachfolger.
Den genauen Anschuß kann man nicht zeigen, aber die Fluchtfährte führt durch diese beiden Pfosten hindurch, bekommt Bernd erklärt. Estrell bekommt die Schweißhalsung angelegt und darf die Gegend bewinden, sie zeigt bereits jetzt Interesse an einer bestimmten Richtung und marschiert los, nach 30 Metern guckt sie verwirrt, hier ist Bernd mit dem Auto entlang gefahren. Da unsere Setter aber auch mit hoher Nase arbeiten, hat sie gleich die Fortsetzung der Fährte gefunden und weiterverfolgt, sie läuft durch die beiden Pfosten hindurch, also ist sie richtig, weiter rechts, links, geradeaus, sie verfolgt die Spur der flüchtenden Rotte, und plötzlich biegt sie ab, an einem Wasserloch vorbei in eine Schonung hinein, sie bleibt stehen, sichert und stellt fest, von diesem Stück geht keine Gefahr mehr aus, dann geht sie an den Überläufer heran, schnuppert, schaut zu Herrchen und geht wieder. Unsere Setter haben eine gesunde Vorsicht vor Schweinen. Auf jeden Fall hat Estrell gefunden, es waren ca. 800 Meter, hierfür hat sie ungefähr 20 Minuten gebraucht, und unser Freund darf sich über sein Marzipanschweinchen von 30 Kilo freuen, - ist schon toll, was unsere Setter so können!!!

Die Nase, die Nasenleistung der Gordon Setter .

Die sensible Hundenase ist 1000 mal feiner, als die des Menschen, daher werden Hunde eingesetzt um uns Menschen eine Spur zu zeigen, die wir nie gefunden hätten. Die Hundenase wird gebraucht beim Suchen vermisster Menschen, alter, demenzkranker, die nicht mehr nach Hause finden, Kinder, die einfach von Zuhause weglaufen. Bei der Aufklärung von Verbrechen ist die Hundenase von besonderer Wichtigkeit, hier ist sie sogar in der Lage, ein Auto über viele Kilometer zu verfolgen sog. "Car Trail", also die Spur anzuzeigen, die z.B. Opfer und Täter im Auto hinterlassen. Jedes Auto verfügt nämlich über eine Zwangsentlüftung, über sie entweichen genug Geruchspartikel, dass der Hund die Fährte aufnehmen kann. Jeder Mensch hinterlässt ständig Geruchsspuren über Hautschuppen, davon verliert er pro Minute 40 000. Genug Material für die sensible Hundenase. Diese Hunde sind nach der amerikanischen Methode im Man-Trailing ausgebildet worden.
Den sensiblen Hunden gelingt sogar die Rückverfolgung einer Spur. Ein Verfahren, das für Hunde normalerweise besonders kompliziert ist, weil sie gewohnt sind, der frischesten Spur zu folgen. Beim "Rück-Trail" dagegen müssen sie der Spur in umgekehrter Richtung folgen, also die älteste Spur suchen. Die Geschichte der aufgeklärten Fälle zeigt uns, dass es geht.

Die Hundenase wird auch eingesetzt, um Verschüttete unter Lawinen zu finden und nach Erdbeben unter eingestürzten Häusern nach Personen zu suchen.
Nun kommt es auch vor, dass ein riesiges Gebiet abgesucht werden muß, und der Hundeführer unmöglich an der Leine seinem Hund folgen kann, hier kommen die schnellen Setter zum Einsatz, wenn der Hund gefunden hat, kann er "Laut geben", also so lange bellen, bis ihn sein Besitzer gefunden hat, was aber einen verletzten Menschen nicht unbedingt beruhigt und mancherorts auch nicht hörbar ist. Für solche Fälle werden die Hunde zu "Bringselverweisern" ausgebildet, sie bekommen ein kleines Hölzchen, Lederstück o.ä. an das Halsband gebunden, und zwar so, dass sie es beim Auffinden einer Person in den Fang nehmen können, so laufen sie dann zu ihrem Hundeführer zurück, dieser hat an dem aufgenommenen "Bringsel" erkannt, dass der Hund gefunden hat, nun ist es die Aufgabe des Hundes, durch Hin- und Herlaufen, dem Retter den Weg zu zeigen.
Die gutmütigen Gordon Setter werden oft für solche Rettungsfälle eingesetzt, da sie sich immer friedlich benehmen, auch wenn verzweifelte Menschen unnatürlich reagieren.

Die Jagd darf hier natürlich nicht fehlen, manchmal wird unglücklich getroffen, dann ist ein Tier nur angeschossen, krankgeschossen und nicht verendet. Nun ist es die Aufgabe des Jagdhundes, das verletzte Lebewesen zu finden, damit es erlöst werden kann. Dazu kann der Hund an der Stelle angesetzt werden wo das Wild vom Schuß getroffen wurde, - bei unseren
Gordons reicht es aber aus, den Hund die Fährte irgendwo kreuzen zu lassen, sie suchen sich die Spur selber und zwar in Richtung des frischesten Duftes.

Doch Geruchssinn ist das eine, das andere ist die Ausbildung. Denn all diese Hunde müssen dazu gebracht werden, eine Fährte auch willig und konzentriert über eine längere Strecke zu verfolgen. Sonst würde allein der Geruch von irgendwelchen Leckerein den Hund vom Weg abbringen.

Die Arbeit mit dem Hund ist eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe, sie erfreut Hund und Ausbilder, ist manchmal von Rückschlägen geprägt, führt bei guter Führung aber immer zum Erfolg und schweißt Hund und Führer zu einem echten Team zusammen.

 

 

© Copyright - Irmela Pinkwart

Gordon Setter Zucht vom Pinnower Moor VDH FCI JGHV