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Von der Geburt der Welpen und der Bindung zum Züchter !

 

"Also, ich könnte die Welpen überhaupt nicht hergeben, mir würde bei jedem einzelnen das Herz bluten"

So oder so ähnlich höre ich es sehr oft, daher möchte ich darüber berichten: Es beginnt bereits mit der engen Bindung zur Mutterhündin, die letzten Tage vor dem Wurftermin ist gerade eine erstgebärende Hündin etwas verunsichert, sie kann nicht mehr so rennen, springen und überhaupt ist mit ihr alles anders und sie weiß nicht warum. In diesen Tagen beobachen wir, wie unsere "Dicke" sich nicht mehr so weit von uns entfernt, sie will auch nicht mehr so lange laufen, besonders in der warmen Jahreszeit, also bleibt sie lieber in unserer Nähe, denn wir bedeuten für sie Sicherheit. Wenn dann die Wehen einsetzen, ist einer von uns immer bei ihr, vom ersten Hecheln bis zur Geburt des letzten Welpen, das ist fast immer in der Nacht und kann bis zu 12 Stunden dauern, sie ist nie alleine. Die werfende Hündin liegt auf einem sauberen und auch weichen Lager im Wohnzimmer, der eine oder andere Welpe ist auch schon mal auf der Ledercouch zur Welt gekommen, weil die "Gute" es so mochte :-)

Sind dann alle Welpen geboren, ziehen sie um in die vorbereitete saubere Wurfkiste im Welpenzimmer, das ist gleich neben dem Wohnzimmer. Dadurch, daß sich das Welpenzimmer an einem zentralen Ort im Haus befindet, haben wir ständig Einblick in die Wurfkiste, die Mutterhündin hat von hier aus sogar einen Blick in den Flur und auf die Treppe zum Obergeschoss, wir leben also alle sehr eng miteinander zusammen. Ein Blick ins Welpenzimmer ist bei jedem Gang durch den Flur garantiert. Ich höre die ersten Geräusche der Kleinen, sie gurren und quieken, natürlich hören die Kleinen auch unsere Geräusche. Ich habe jeden Welpen mehrmals täglich in meinen Händen, rede mit ihnen, streichel sie und begutachte sie. Wenn die Pflaster mit der Numerierung nicht mehr halten, werden Bändchen gehäkelt in unterschiedlichen Farben, es wird eine Wiegeliste geführt und jeden Tag die Gewichtszunahme der Welpen notiert. Die Kleinen wachsen recht schnell, daher müssen die Bändchen oft kontrolliert werden, damit keines zu eng wird, dann werden größere Bändchen gehäkelt, jeder Welpe bleibt bei seiner Farbe bis zur Abgabe. Ich, als Züchter laufe oft ins Welpenzimmer um zu erfahren, wer denn nun schreit, schreit er weil er ein Problem hat oder geht irgendetwas nicht schnell genug ? Im Alter von ca. 2 1/2 Wochen haben sie manchmal das Problem, daß sie aus ihrer Wurfkiste bereits prima austeigen können, sie schaffen es aber noch nicht wieder alleine hinein, und schreien können sie - auch Nachts renne ich manchmal 3-4 mal runter zu den Kleinen und helfe beim Einstieg, nach spätestens 2 Tagen können sie es aber alleine. Ich darf miterleben wie sie das Laufen üben, wie sie ihre Geschwisterchen wahnehmen wenn die Augen geöffnet sind, da sich zur gleichen Zeit auch die Ohren öffnen, entgeht ihnen nun auch das leiseste Geräusch nicht mehr. Ich habe ständig eine Kontrolle über die Verdauung der Welpen und somit auch über ihren Gesundheitszustand, wohlgeformte Designerhäufchen in richtiger Farbe und Konsistenz zeigen zusätzlich Wohlbefinden der Welpen an. Dreimal in der Aufzuchtszeit bekommen die Kleinen über mehrere Tage Wurmkur, und immer habe ich sie in den Händen, genieße den Welpenduft und das weiche Fell, welches wie Speckschwarte glänzt. Dann bekommen die Welpen langsam von uns zugefüttert, meist kapieren sie sehr schnell, daß sie von Saugen auf Lecken umstellen müssen, aber garantiert gibt es ein Matschbad im ersten Babybrei. Auch hier habe ich Kontrolle über die Menge Nahrung, die jeder Welpe so zu sich nimmt. Durch die verschiedenfarbigen Bändchen kann ich mir langsam ein Bild darüber machen wer der größte Schreihals ist, wer sich an Mutters Zitze und auch am Futtenapf immer durchsetzt, für wen Fressen nicht so wichtig ist, wer viel schläft, wer weniger, wer immer zuerst im Welpenzimmer unterwegs ist, wer sich am weitesten von der Wurfkiste entfernt und auch wer sich etwas schüchtern zeigt, hier kann ich auf die Wünsche meiner Welpeninteressenten eingehen und später Empfehlungen geben, den für sie "richtigen" Welpen auszusuchen. Das Verhalten der Kleinen ist immer noch eine Momentaufnahme, wenn sich allerdings bestimmte Verhaltensweisen wiederholen, kann ich schon eine kleine Aussage über den Charakter des Welpen machen. Sind die Kleinen dann erst mal im Welpengarten und in ihrem Blockhaus "Gordon Castle", dann kann ich auf größerem Gelände die Eigenschaften der einzelnen Welpen beobachten. Sie bekommen nun außer Spielsachen auch welpengerechte Probleme und Schwierigkeiten gestellt, die sie meisten müssen und natürlich auch können, sie müssen sich aber anstrengen, sie müssen sich recken, sie müssen auch mal ins flache Wasser gehen, das fördert nicht nur die Intelligenz, ich registriere hier genau, wer schnell und wer langsamer ans Ziel kommt und wer heute überhaupt keinen Bock auf "Ziel" hat. Die Welpen üben sich im Stärkemessen miteinander, sie greifen an, sie flüchten, sie verstecken sich, manche sind sehr trickreich. Als Züchter kann ich immer bei ihnen sein, kann ihr Wesen genauestens studieren. Ich bin nicht berufstätig und für die Zeit der Welpenaufzucht habe ich mir freiwillig für mindestens 8 Wochen Hausarrest auferlegt, und nun kann ich den ersten Satz bestätigen,

- ja, es fließen bei der Abgabe eines jeden Welpen dicke Krokodilstränen.

Dann aber kommen die Anrufe der neuen Besitzer, die unendlich glücklich über das Wesen ihres neuen Familienmitglieds sind, die sich freuen, mit welcher Leichtigkeit der Kleine eine schnelle Bindung zum neuen Frauchen und Herrchen aufbaut, welch schnelle Auffassungsgabe er hat, wie gut er sich mit anderen Hunden, der Familienkatze usw. verträgt. Wir bekommen viele Fotos geschickt über die wir uns immer riesig freuen. Schön ist es, wenn wir dann gemeinsam spazieren gehen, wenn meine Schützlinge mich wiedererkennen uns sich überschwänglich freuen.

Ich möchte meine Welpen in den allerbesten Familienhänden wissen, egal ob für den Hund eine Ausbildung zur Jagd, Rettung, für das mantrailing oder ähnliches vorgesehen ist. Ich beantworte gerne "1000 Fragen", ich möchte aber auch so viel wie möglich über das Umfeld und das Leben meines Lieblings in der neuen Familie erfahren. Dadurch ist es auch schon mal vorgekommen, daß ich Interessenten von der Anschaffung eines Setters abgeraten habe. Ich möchte, daß Hund und Besitzer für ein ganzes Hundeleben unzertrennliche Freunde werden.

 

 

 

© Copyright - Irmela Pinkwart

Gordon Setter Zucht vom Pinnower Moor VDH FCI JGHV