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Des Herrgotts Wunderwerke, oder der A-Wurf Gordon Setter vom Pinnower Moor wird geboren.

Annabell berichtet (Januar 1999)

Der 61. Trächtigkeitstag, es schneit, und Mama hat mal wieder vergessen, daß sie nicht alleine ist, sie galoppiert wie eine Kuh über die Felder. Da, ein Fuchs im schönsten Winterbalg, den will Mama sich holen, aber nach ca. 100 Metern merkt sie, daß ihr Leibesumfang behindert und ihr Vorhaben aussichtslos ist. Jetzt wirft sie uns zu Boden und wälzt sich buckelnd und strampelnd im Neuschnee, danach schüttelt sie sich bis mir schwindlig wird, und weiter werden die Felder abgesucht. Endlich nach 1 1/2 Stunden hat diese Rüttelei ein Ende.

62. Tag. Mama will unbedingt aufs Feld, aber heute reichen ihr 30 Minuten - also irgendetwas ist heute anders. Mama ist unruhig, sie mag nichts fressen, und sie muß pausenlos nach draußen und macht nur ein paar Tröpfchen. Das geht bis 21.00 Uhr so. Dann wandert sie hechelnd von einem Platz zum nächsten. Auch die Menschenfamilie ist komplett anwesend und starrt meine Mama an wie einen Außerirdischen.

Jetzt drückt und schiebt es von allen Seiten. Ich rutsche - das ist aber eng hier, ein Ruck, noch ein Ruck, und da bin ich: Die Gordon Setter Hündin "Annabell vom Pinnower Moor". Also, das "Licht der Welt erblicken" habe ich mir anders vorgestellt, hier ist es ja genauso finster wie bei Mama im Bauch, nur kühler, egal. Nur eins ist jetzt wichtig - wo ist die Milchbar ?

Jetzt bin ich hier seit 14 Tagen am Nuckeln, die Milch ist nach wie vor sehr köstlich und reichlich, und jetzt passiert es: das "Licht der Welt". Ich glaube, ich kann etwas sehen, aber damit kann ich noch nichts anfangen, also - weiternuckeln.

Der nächste Morgen zeigt wieder Licht. Ach du meine Güte, da sind ja noch 7 schwarze Gesellen, die so aussehen wie ich. Und ich wundere mich seit Tagen, wer hier so drängelt. Ob ich wohl auch so ein dummes Gesicht mache wie die? Sie versuchen energisch ihre Köpfe hochzuhalten, und diese schaukeln hin und her. Aber praktisch sind die Kumpels, ich kann sie als Treppe benutzen und über den Rand der Wurfkiste schauen.

Heute bin ich 14 Tage alt, habe wunderschöne blaue Augen, wiege 1400 Gramm, und ich kann schon meinen Bauch vom Boden heben und auf 4 Beinen schwanken - das ist vielleicht anstrengend. So, und wie komme ich nun vorwärts? Mit 2 Beinen wäre das vielleicht leicht, aber welches von den vieren nehme ich nun zuerst ? Ich glaube, jetzt geht es, ich bin sogar schnell und "bums", da ist die Wurfkiste auch schon zu Ende - also umdrehen und weitertrainieren. Ach - da ist sie ja, die kuschelig weiche Mama, und die Geschwister mahlzeiten schon. Ich glaube, ich bin auch hungrig und soooo müde. - Nächsten Vormittag läßt Mama uns länger alleine. Wir sind ja schon groß - wird sie uns wieder etwas Interessantes mitbringen ? Na klar - Mama kommt naß, und sie riecht nach Duschgel. Das muß ich untersuchen, meiner Nase entgeht nichts. Aha, Mama hat sich auf dem Feld großflächig mit Fuchslosung parfümiert, und unser Frauchen ist mit diesem Duft nicht einverstanden gewesen. Vielleicht werde ich diesen Duft auch mal ausprobieren, wenn man mich mitnimmt. aber dafür muß ich noch besser laufen können. Ich darf dabei nicht schaukeln, und das ständige Umfallen ist auch unpraktisch. Ich werde mit meinen Geschwistern weiterüben, auch wenn wir zur Zeit "die besten Kunden vom Oktoberfest" genannt werden.

Aber jetzt liegt Mama in der Kiste, der dicke Amadeus muß als erster trinken, der drängelt alle weg. Er wiegt schon 1780 Gramm und stündlich werden es mehr. Und wenn unser Frauchen ihn abzieht und aus dem Zimmer trägt, dann kreischt, bellt, knurrt und singt er in den höchsten Tönen, bis meine Mama uns alle abfallen läßt, Frauchen folgt und ihr erklärt, daß sie genau diesen Schreihals sofort wiederhaben will.

Jetzt sind wir 4 Wochen alt, aus unseren "Shar Pei" Köpfen sind jetzt rottweilerähnliche Gesichter geworden, unsere Augen sind kaum noch blau, und wir können schon prima laufen, rennen und springen. Mama legt sich schon seltener in unsere Wurfkiste, also müssen wir, wenn sie uns besucht, schnell springen und uns recken, damit wir wenigstens im Stehen einen Schluck Milch bekommen. Aber unsere Menschen füttern uns, damit wir nicht hungern.

An den Wochenenden kommt immer viel Besuch, und die jauchzen vor Begeisterung, wenn sie uns sehen. Wir jauchzen auch, denn wer unser Welpenzimmer betritt, muß sich die Schuhe ausziehen, und wir finden die verschiedenen Sockendüfte einfach faszinierend, und wenn wir dann kraftvoll mit unseren spitzen Milchzähnen in den Hacken oder in den großen Zeh`beißen, dann kreischen die Menschen und hüpfen so lustig.

Mein Bruder Athos ist fürchterlich frech, der muß einem immer auf den Rücken springen, dort beiß er sich fest, und wenn der untere schreiend wegläuft, läßt er sich mitziehen. Mein Bruder Amor hat ihm aber vorhin kräftig die Meinung gesagt, bis Mama bellend in unser Kinderzimmer gesprungen kam - dann war Ruhe.

Heute Mittag scheint die Sonne, und Minusgrade haben wir auch nicht mehr, also dürfen wir in den Garten, hier liegen vielleicht tolle Sachen herum, Kisten, Kästen, Kuscheltiere, Bälle, verschiedene Hölzer, die wir annagen dürfen, Klettergelegenheiten und ein Krabbeltunnel, das macht vielleicht Freude. Nun verschwindet die Sonne langsasm, es wird lausig kalt, wir gehen wieder in unser Kinderzimmer, bekommen heute Abend eine leckere Mahlzeit mit Wildbrühe und träumen vom nächsten Spiel- und Tobetag in unserem Abenteuergarten.

Annabell vom Pinnower Moor

 

 

© Copyright - Irmela Pinkwart

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