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Der
61. Trächtigkeitstag, es schneit, und Mama hat mal wieder vergessen,
daß sie nicht alleine ist, sie galoppiert wie eine Kuh über
die Felder. Da, ein Fuchs im schönsten Winterbalg, den will Mama
sich holen, aber nach ca. 100 Metern merkt sie, daß ihr Leibesumfang
behindert und ihr Vorhaben aussichtslos ist. Jetzt wirft sie uns zu
Boden und wälzt sich buckelnd und strampelnd im Neuschnee, danach
schüttelt sie sich bis mir schwindlig wird, und weiter werden
die Felder abgesucht. Endlich nach 1 1/2 Stunden hat diese Rüttelei
ein Ende.
62.
Tag. Mama will unbedingt aufs Feld, aber heute reichen ihr 30 Minuten
- also irgendetwas ist heute anders. Mama ist unruhig, sie mag nichts
fressen, und sie muß pausenlos nach draußen und macht
nur ein paar Tröpfchen. Das geht bis 21.00 Uhr so. Dann wandert
sie hechelnd von einem Platz zum nächsten. Auch die Menschenfamilie
ist komplett anwesend und starrt meine Mama an wie einen Außerirdischen.
Jetzt
drückt und schiebt es von allen Seiten. Ich rutsche - das ist
aber eng hier, ein Ruck, noch ein Ruck, und da bin ich: Die Gordon
Setter Hündin "Annabell vom Pinnower Moor". Also, das
"Licht der Welt erblicken" habe ich mir anders vorgestellt,
hier ist es ja genauso finster wie bei Mama im Bauch, nur kühler,
egal. Nur eins ist jetzt wichtig - wo ist die Milchbar ?
Jetzt
bin ich hier seit 14 Tagen am Nuckeln, die Milch ist nach wie vor
sehr köstlich und reichlich, und jetzt passiert es: das "Licht
der Welt". Ich glaube, ich kann etwas sehen, aber damit kann
ich noch nichts anfangen, also - weiternuckeln.
Der
nächste Morgen zeigt wieder Licht. Ach du meine Güte, da
sind ja noch 7 schwarze Gesellen, die so aussehen wie ich. Und ich
wundere mich seit Tagen, wer hier so drängelt. Ob ich wohl auch
so ein dummes Gesicht mache wie die? Sie versuchen energisch ihre
Köpfe hochzuhalten, und diese schaukeln hin und her. Aber praktisch
sind die Kumpels, ich kann sie als Treppe benutzen und über den
Rand der Wurfkiste schauen.
Heute
bin ich 14 Tage alt, habe wunderschöne blaue Augen, wiege 1400
Gramm, und ich kann schon meinen Bauch vom Boden heben und auf 4 Beinen
schwanken - das ist vielleicht anstrengend. So, und wie komme ich
nun vorwärts? Mit 2 Beinen wäre das vielleicht leicht, aber
welches von den vieren nehme ich nun zuerst ? Ich glaube, jetzt geht
es, ich bin sogar schnell und "bums", da ist die Wurfkiste
auch schon zu Ende - also umdrehen und weitertrainieren. Ach - da
ist sie ja, die kuschelig weiche Mama, und die Geschwister mahlzeiten
schon. Ich glaube, ich bin auch hungrig und soooo müde. - Nächsten
Vormittag läßt Mama uns länger alleine. Wir sind ja
schon groß - wird sie uns wieder etwas Interessantes mitbringen
? Na klar - Mama kommt naß, und sie riecht nach Duschgel. Das
muß ich untersuchen, meiner Nase entgeht nichts. Aha, Mama hat
sich auf dem Feld großflächig mit Fuchslosung parfümiert,
und unser Frauchen ist mit diesem Duft nicht einverstanden gewesen.
Vielleicht werde ich diesen Duft auch mal ausprobieren, wenn man mich
mitnimmt. aber dafür muß ich noch besser laufen können.
Ich darf dabei nicht schaukeln, und das ständige Umfallen ist
auch unpraktisch. Ich werde mit meinen Geschwistern weiterüben,
auch wenn wir zur Zeit "die besten Kunden vom Oktoberfest"
genannt werden.
Aber
jetzt liegt Mama in der Kiste, der dicke Amadeus muß als erster
trinken, der drängelt alle weg. Er wiegt schon 1780 Gramm und
stündlich werden es mehr. Und wenn unser Frauchen ihn abzieht
und aus dem Zimmer trägt, dann kreischt, bellt, knurrt und singt
er in den höchsten Tönen, bis meine Mama uns alle abfallen
läßt, Frauchen folgt und ihr erklärt, daß sie
genau diesen Schreihals sofort wiederhaben will.
Jetzt
sind wir 4 Wochen alt, aus unseren "Shar Pei" Köpfen
sind jetzt rottweilerähnliche Gesichter geworden, unsere Augen
sind kaum noch blau, und wir können schon prima laufen, rennen
und springen. Mama legt sich schon seltener in unsere Wurfkiste, also
müssen wir, wenn sie uns besucht, schnell springen und uns recken,
damit wir wenigstens im Stehen einen Schluck Milch bekommen. Aber
unsere Menschen füttern uns, damit wir nicht hungern.
An
den Wochenenden kommt immer viel Besuch, und die jauchzen vor Begeisterung,
wenn sie uns sehen. Wir jauchzen auch, denn wer unser Welpenzimmer
betritt, muß sich die Schuhe ausziehen, und wir finden die verschiedenen
Sockendüfte einfach faszinierend, und wenn wir dann kraftvoll
mit unseren spitzen Milchzähnen in den Hacken oder in den großen
Zeh`beißen, dann kreischen die Menschen und hüpfen so lustig.
Mein
Bruder Athos ist fürchterlich frech, der muß einem immer
auf den Rücken springen, dort beiß er sich fest, und wenn
der untere schreiend wegläuft, läßt er sich mitziehen.
Mein Bruder Amor hat ihm aber vorhin kräftig die Meinung gesagt,
bis Mama bellend in unser Kinderzimmer gesprungen kam - dann war Ruhe.
Heute
Mittag scheint die Sonne, und Minusgrade haben wir auch nicht mehr,
also dürfen wir in den Garten, hier liegen vielleicht tolle Sachen
herum, Kisten, Kästen, Kuscheltiere, Bälle, verschiedene
Hölzer, die wir annagen dürfen, Klettergelegenheiten und
ein Krabbeltunnel, das macht vielleicht Freude. Nun verschwindet die
Sonne langsasm, es wird lausig kalt, wir gehen wieder in unser Kinderzimmer,
bekommen heute Abend eine leckere Mahlzeit mit Wildbrühe und
träumen vom nächsten Spiel- und Tobetag in unserem Abenteuergarten.
Annabell
vom Pinnower Moor
©
Copyright - Irmela Pinkwart
Gordon
Setter Zucht vom Pinnower Moor VDH FCI JGHV
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